Foto-Dokumentation der Fortschritte im CENTRE MONTESSORI D'HAITI in Lincourt

- jeweils links: Eröffnung am 7 Dezember 2012 / rechts: Anfang 2015.


Water tower 2012

Water tower 2015


Teacher's house 2012

Teacher's house 2015


classrooms, Dorms and back gate 2012

classrooms, Dorms and back gate 2015


Dorms 2012

Dorms 2015


In front of 1st classroom 2012

In front of 1st classroom 2015


Cafeteria 2012

Cafeteria 2015


Inside dorm 2012

Inside dorm 2015


30 Jahre Engagement für die Kinder in Haiti

von laura ihme

Hilfe und Bildung für benachteiligte Kinder in Haiti – das ist das Ziel der Peter-Hesse-Stiftung. Vor genau 30 Jahren wurde die Initiative von dem Düsseldorfer Unternehmer gegründet. Und das war eigentlich purer Zufall.

„Ich habe meinen Urlaub in der Karibik verbracht – und mich in die Musik dort verliebt. Mit Bekannten habe ich deshalb einen Ausflug nach Haiti gemacht. Denn da sollte die Musik noch mitreißender sein“, erzählt Hesse. Doch was er dort sah, war nicht nur Musik und Kultur zum Verlieben, sondern vor allem die bittere Armut vieler Menschen. Das war im Januar 1981. „Ich überlegte anschließend, wie ich den Menschen helfen könnte. Das war ein richtiger Lernprozess. Ich musste erst herausfinden, was sie brauchen“, sagt Peter Hesse. Schließlich entschied sich der Unternehmer dafür, die Montessori-Pädagogik nach Haiti zu bringen. Lehrer sollten dazu ausgebildet werden, die Kinder nach diesem Prinzip zu unterrichten, sollten ihnen beibringen können, selbstständig zu lernen. Schließlich wurde 1983 die Stiftung gegründet und gemeinsam mit Lehrerin Carol Guy-James Barratt etablierte Hesse ein Montessori-Zentrum zur Ausbildung von Lehrern. „Im Laufe der Jahre waren es bis zu 1000 Lehrer, die wir betreut haben“, erzählt Peter Hesse stolz.

Doch dann kam das große Erdbeben im Januar 2010 – und damit ein herber Rückschlag für die Stiftung: Ihr Ausbildungszentrum wurde zerstört. Für Peter Hesse war das jedoch kein Grund, aufzugeben. „Wir haben damals sehr viel mehr Spenden bekommen und einige Berufsschüler aus Kempen sind sogar nach Haiti geflogen und haben das Zentrum neu gebaut“, erzählt er.

Sein Leben lang wolle er sich weiter für die Kinder in Haiti engagieren, sagt der 76-Jährige. „Irgendwann musste ich mich sogar entscheiden, ob ich meine Firma weiter führen möchte oder die Stiftung – beides ging nicht“, sagt er. Die Entscheidung sei ihm allerdings nicht sonderlich schwer gefallen: „Ich bin ein Mensch, dem es immer gut ergangen ist. Deshalb wollte ich mich nur noch um meine Stiftung kümmern. Das ist Leidenschaft.“

Quelle: Rheinische Post, 12.12.2013 - Laura Ihme


Die Entwicklung des Montessori-Projektes begann mit didaktischen Vorversuchen in der Vorschule in Ste. Suzanne im Jahre 1984 sowie mit einem zweiwöchigen Testseminar mit 40 haitianischen Pädagog(inne)n im Sommer 1985. Dabei wurde deutlich, dass Kurzlehrgänge nicht genügten, um in Haiti eine neue - kind-zentrierte - Didaktik einzuführen. Im Oktober 1986 begann daher das erste volle Ausbildungsjahr des dafür gegründeten CENTRE MONTESSORI D'HAITI in einem Raum in der "École du St. Esprit" in Cap Haitien. Im Oktober 1987 wurde das Vorschullehrer-Ausbildungszentrum in die Hauptstadt Port-au-Prince verlegt, wo es bis 9 Januar 2010 bestand. Das große Erdbeben am 10. Januar 2010 zerstörte das gemietet Haus in dem die Ausbildung in den letzten Jahren stattfand.

Carol Guy-James Barratt (Advanced Montessori Diploma, London) leitet von Anfang an das Montessori-Programm. Die in London ausgebildete Montessori-Vorschul- und Primarschul-Directrice opferte dem Haiti-Projekt bisher ihr ganzes Berufsleben und führte es zum Erfolg. Sie ist noch heute jeweils einige Monate jährlich in Haiti engagiert um die Examen zu begleiten und zur Auswahl neuer Kandidaten und Kandidatinnen für die Lehrer(innen)-Ausbildung. Carol zur Seite steht ein Team von teil-ehrenamtlichen haitianischen Mitarbeiterinnen, den von ihr ausgebildeten Montessori-Vorschullehrer-Trainerinnen.

Die Situation - im Rückblick zum 18. Gründungstag (7.12.2001) der Stiftung - ist in der pdf-Datei "Die Situation Ende 2001" festgehalten. Eine neue, vollständige Erfassung der Entwicklung der Montessori-Projektvorschulen ist seit 2002 wegen der personell und sicherheitsbedingt begrenzten Reisemöglichkeiten in Haiti immer schwieriger geworden, wurde jedoch bis zum 25. Gründungstag der Stiftung am 7.12.2008 erneut versucht. Umfassende Berichte aus 2002 und 2003 enthält der 16-seitige Prospekt zum 20. Geburtstag der Stiftung am 7. Dezember 2003: "20 Jahre". Darauf folgen ein Sommerbericht 2004 und (als Beispiel für eine Projekt-Betreuungsreise) ein detaillierter Reisebericht 2005.

Die Gesamtentwicklung des Haiti-Projektes ist in dem Buch von Peter Hesse "Von der Vision zur Wirklichkeit" 1999, Cogito Verlag, Kaarst-Büttgen, ISBN 3-00-004473-6 geschildert. Zum 25. Gründungstag der Stiftung am 7. Dezember 2008 ist außerdem ein Buch von Peter Hesse (VISION WORKS...) in Englisch erschienen – s. Publications


Die realisierte Montessori-Vision auf 5 pdf-Seiten


Über 50 Haiti Montessori-Projekt-Vorschulen.
In den Jahren 2000 und 2001 wurden alle damaligen Projektvorschulen seit Gründung des CENTRE MONTESSORI D'HAITI in Cap Haitien in 1986 erfasst.
Eine erneute systematische Erfassung aller Projekt-Vorschulen war in den letzten Jahren durch wachsende Unsicherheit in Haiti immer wieder verzögert worden. Sicher ist, dass nicht alle Vorschulen in entfernteren Teilen Haitis sich qualitativ einwandfrei entwickelt haben, dass die meisten jedoch weiter wachsen. In den letzten Jahren sind zwar auch neue Projekt-Vorschulen eröffnet worden, aber noch relevanter erscheint die Tatsache, dass die Vorschulen, zu denen auch in schwierigen Zeiten regelmäßig Kontakt besteht, jeweils stark gewachsen sind. Immer mehr Kinder müssen aufgenommen werden. Daraus folgte und folgt wohl auch weiterhin ein ständig wachsender Bedarf an neu ausgebildeten Lehrer(innen). Dies zu leisten hat sich zur Hauptaufgabe unserer haitianischen Partner und Partnerinnen entwickelt.

Neue Handbücher für die Montessori Vorschul-LehrerInnen-Ausbildung.
Im Jahr 2007 wurden zwei von Carol Guy-James Barratt verfasste Manuals für die Montessori Vorschul-Lehrer(innen)-Ausbildung von der Peter Hesse Stiftung herausgegeben: In Französisch - speziell (aber nicht nur) für Haiti - "Atelier Montessori" ISBN 978-3-9811650 sowie in Englisch "Montessori Workshop" ISBN 978-3-9811650-1-2. Beide Bücher werden - neben der Verwendung in unseren Projekten - zum Preis von je EURO 59,- von der Fa. Nienhuis Montessori, Industriepark 14, NL-7021, BL Zelhem, Holland, vertrieben. E-mail: info@nienhuis.nl - www.nienhuis.com. Näheres zu den Büchern s. englische bzw. französische Sektion unserer Homepage.

Zur Situation der LehrerInnen in Haiti.
Die Montessori-Vorschullehrer(innen)-Ausbildung in Haiti hat Schwachstellen des dortigen Bildungswesens deutlich gezeigt: Die selbst in der "Nachplapper"-Tradition aufgewachsenen Lehrer haben kaum gelernt, selbständig zu lernen und zu recherchieren, um ihre Lerninhalte und Lehrmethoden den Bedürfnissen ihres Landes und seiner Schüler in der heutigen Zeit anzupassen. Insbesondere das Arbeiten mit gedrucktem Material - gleich welcher Art - wird kaum beherrscht. Allenfalls abschreiben und stur auswendig lernen werden gepflegt. Dies ist nicht nur unsere "westliche" Meinung, sondern natürlich auch der winzigen, international gebildeten "Elite", soweit sie sich überhaupt mit Bildungsfragen in Haiti abgibt, bekannt. Nur fehlt dieser Pseudo-Elite der Antrieb, sich in ihrem eigenen Land zu engagieren.
Bei allem Respekt vor lokalen Traditionen kann globale menschliche Solidarität sich in solcher Lage nicht vornehm zurückhalten. Im Interesse einer menschenwürdigen, eigenständigen Entwicklung der Menschen in Haiti muss das Bildungswesen qualitativ besser werden. Wie schon in den Montessori-Vorschul-Projekten unserer dortigen Fondation-Peter-Hesse demonstriert, ist qualitative Verbesserung modellhaft möglich. Ohne zunächst darüber zu reden, wird durch praktische Demonstration auch der haitianischen Bevölkerung bewusst, dass qualitative Veränderung möglich und sinnvoll ist. Darum würden wir unserer Montessori-Vorschullehrer-Ausbildung gern ein bescheidenes "Didaktik-Zentrum" angliedern.
Wir wollen damit demonstrieren, dass Lernen und Lehren qualitativ wesentlich verbessert werden können - zum Nutzen der Menschen. In einer hoffentlich sich verfestigenden Demokratie werden solche Modell-Bemühungen auf fruchtbaren Boden fallen. Davon sind wir überzeugt. Dafür lohnt sich das Engagement. Es wird jedoch von der weiteren politischen und sozialen Entwicklung Haitis abhängen, ob und inwieweit wir dort unsere vor Ort gewonnenen Erkenntnisse auch wirklich umsetzen können. Menschen durch SINNvolle gute Bildung die Startchancen für ein erfülltes, glücklicheres Leben zu verbessern, ist und bleibt jedoch die Vision unserer Arbeit in Haiti.
Die weitere Entwicklung unseres CENTRE MONTESSORI D'HAITI nach der Unterbrechung durch das Januar Erdbeben 2010 wird in Liancourt (Nähe St. Marc), Haiti, neu beginnen – s. hierzu Aufbau nach dem Erdbeben und die jeweils neuen Fotos in dieser Homepage.

Haiti Montessori-Vision – Zwei Wochen nach dem Erdbeben vom 10. Januar 2010

Da eine eigenständige Entwicklung eines Landes wie Haiti nur mit selbstbewusst denkenden und sinnvoll handelnden Menschen möglich erscheint, kann und darf es in Haiti nicht dabei bleiben, dass Kinder - wenn sie überhaupt zur Schule gehen können - nur Texte auswendig lernen. Diese "Nachplapper-Didaktik" ist in Haiti eine weitestgehend erhaltene, schlechte Tradition. Ein Neuanfang nach dem verheerenden Erdbeben vom 12./13. Januar muss Menschen in den Mittelpunkt eines zu erneuernden Bildungssystems stellen. Da alle alten, vorhandenen Strukturen buchstäblich in sich zusammengefallen sind, ist dies prinzipiell möglich geworden.
Da jeder Mensch von Natur aus früh im Leben lernt, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und mit vielschichtigen Grundbegabungen, muss sich das zu erneuernde haitianische Bildungssystem diesen unterschiedlichen Menschen anpassen. Das leistet die Montessori-Didaktik auf Basis der Montessori-Philosophie vom Wert eines jeden Menschen. Das konnte in Haiti insbesondere durch die Montessori-Vorschul-Initiative der Peter-Hesse-Stiftung, bzw. durch deren Tochter-Organisation in Haiti, "Fondation-Peter-Hesse" in den vergangenen über zwanzig Jahren überzeugend bewiesen werden.
Gute Montessori-Vorschulbildung ist auch unter einfachsten Rahmenbedingungen erfolgreich - und speziell für bisher benachteiligte Bevölkerungsgruppen nötig, wenn ein Land sich "von unten" auf breiter Basis eigenständig entwickeln will – und nur "Entwicklung von unten" ist nachhaltig – s. hierzu mein Buch "VISION WORKS…" unter Publications.
Davon bin ich nach einem intensiven Lernprozess in der Praxis fest überzeugt.
Das ist die Basis der konkreten Vision von einem Neubeginn im Bildungswesen von Haiti. Letztlich darf dies nicht mit dem Schulalter von sechs zu Ende sein, sondern muss in einer entsprechenden Primarbildung seine Fortsetzung finden. Das wünschen auch Haitis Eltern.

Daraus ergibt sich eine Vision in zwei Stufen:
1. Breitestmögliche Montessori Vorschulbildung und
2. Aufbau einer Montessori Primarschulbildung.

Das erfordert größeren Einsatz als es von einer "Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO)" wie der kleinen Peter-Hesse-Stiftung alleine geleistet werden kann. Aber möglich ist die Realisierung einer derartigen Vision - wenn die sich neu entwickelnden staatlichen Strukturen von den Erfolgsmöglichkeiten solcher Entwicklung überzeugt werden können.
Es darf in einer sich friedlich und gerecht zu entwickelnden Welt nicht zugelassen werden, dass Menschen gute Bildungschancen versagt bleiben, um billige Arbeitskräfte zu sichern. Eine qualifizierte menschliche Entwicklung nur "Eliten" zukommen zu lassen, führt zur Verfestigung von unwürdigen Verhältnissen und zu sozialen Verwerfungen. Dass es diesbezüglich Interessen mächtiger Minderheiten gibt, ist traurige Realität, die öffentlich bewusst zu machen und anzuprangern ist. Gleichzeitig muss die Vision einer guten breiten Grundbildung, wie sie Montessori ermöglicht, mit Nachdruck realisiert werden.
Kurzfristig planen wir, die durch Verlust ihrer Vorschulen arbeitslos gewordenen LehrerInnen in einer unserer ländlichen Vorschulen in einem einfachen Neubau aufzunehmen und dort von unserer Montessori-Direktrice Carol Guy-James Barratt weiterzubilden. Diese Lehrkräfte werden das Rückgrat des Montessori Neuanfangs in Haiti bilden. Ein weiterer Ausbau wird wesentlich von unseren finanziellen Möglichkeiten abhängen. Er ist jedoch real möglich.
Peter Hesse - 27. Januar 2010
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