Zukunft der Stiftung

Nach vollendeten 28 Jahren der selbständigen Peter-Hesse-Stiftung sowie 75 Lebensjahren des Stifters darf ich nicht nur unseren treuen Freunden und Förderern danken, sondern muss die Zukunft meiner ursprünglich sehr kleinen Stiftung gestalten. Dazu gehört auch eine bessere Nutzung des Internets. Diese erneuerte – hoffentlich nutzerfreundliche – Homepage ist ein Schritt in dieser Richtung. Der neue "Spenden-Button", der wegen der Folgekosten nach dem Januar-Erdbeben 2010 notwendig wurde, zeigt schon, dass ich meine frühere Zurückhaltung in der Spendenwerbung leider aufgeben musste. Andere Organisationen der Entwicklungs-Zusammenarbeit werben sehr viel intensiver – und müssen das wohl auch tun. Ich habe lieber so viel wie möglich selbst gespendet und meine Arbeitszeit für die konkreten Projekte, für Dokumentation und in entwicklungspolitischen Initiativen eingesetzt.

Das aus einem inneren "wake-up call" in Haiti im Jahre 1981 entstandene Engagement für Kinder wurde seit der Gründung der Peter-Hesse-Stiftung (1983) wesentlich von Carol Guy-James Barratt mitgetragen. Auch haben im Laufe der Jahre einige Freiwillige - insbesondere vor Ort in Haiti - wertvolle Hilfe geleistet. Treue Freunde in Deutschland ergänzten meine eigenen Finanzmittel und ich konnte möglichst unaufdringlich ergänzend um Spenden werben. Aber vor allem ließ sich das in Haiti Gelernte konkret umsetzen und auch entwicklungspolitisch nutzen. Nun muss ich auch daran denken, woher zukünftig ergänzende Finanzmittel kommen könnten, damit die Stiftung die gewonnenen Erfahrungen für frühkindliche Bildungsförderung weiterhin erfolgreich zum Wohle benachteiligter Kinder einsetzen kann.

Bisher – trotz Unterbrechung der regulären Ausbildung von Montessori-Lehrerinnen durch das Erdbeben in 2010 – war und ist das Haiti-Projekt eine Erfolgsgeschichte. Wie schon in 2011 haben wir auch in 2012 erneut freiwillige Aufbauhilfe aus Deutschland erhalten. Sonst wäre die Erfolgsgeschichte zwar nicht am Ende, denn die vielen nicht vom Erdbeben betroffenen Montessori Vorschulen der von uns bisher ausgebildeten Lehrer(innen) funktionieren ja auch weiterhin, aber es würde sich dann alles viel langsamer weiter entwickeln. Eine improvisiert fortgesetzte Ausbildung in provisorischen Situationen und in einem Zelt hat dank unserer treuen Trainerinnen Noami Joseph und Heliana Charles schon kurz nach dem Erdbeben wieder eingesetzt – wie auch unter "Aufbau nach dem Erdbeben" berichtet. Für eine Dauerlösung ist ein neues Zentrum jedoch unverzichtbar.

Die von Carol Guy-James Barratt und mir sowie von Irene Dänzer-Vanotti geschriebenen Bücher (s. "Veröffentlichungen") dokumentieren die bisherige erfolgreiche Entwicklung. In meiner fast dreißigjährigen Zeit als geschäftsführender Gesellschafter der Künstlerfarbenfabrik H. Schmincke & Co. erhielten wir außerdem wertvolle Hilfe durch die die Druckerei "druckpartner" in Essen, bzw. von deren Mitbegründer Günter Kirsten, der uns mehrfach Projektberichte druckte und diese spendete. Aber auch damalige Schmincke-Mitarbeiter(innen) und meine Familie unterstützten das Haiti-Projekt. Seit meinem Abschied aus der Schmincke-Geschäftsführung und der Konzentration auf die Stiftungsarbeit im Jahr 1998 suchte ich nach Zukunftslösungen für das Haiti-Engagement.

Meine ursprüngliche Vision – ich nenne sie "Plan A" – einer zukünftig finanziell tragfähigen Stiftung gemeinsam mit meinen jüngeren Halbgeschwistern, den beiden Miteigentümern im Hause Schmincke, scheiterte schließlich an deren anderen Prioritäten. So galt es, eine andere, von der Familie unabhängige Struktur für die dauerhafte Fortführung des Haiti-Engagements zu finden. Eine Stiftung ist schließlich bewusst auf Dauer angelegt. Dies erfordert langfristig eine wesentlich stärkere finanzielle Basis für ein professionelles Stiftungsmanagement, denn nur der selbst für den Satzungszweck tätige Stiftungsgründer muss schließlich nicht bezahlt werden – er darf sogar ergänzend spenden! Ehrenamtliche Vorstände können auch in Zukunft mitwirken, aber eine größere Stiftungsstruktur braucht auch professionelles geschäftsführendes Management. Also muss die Peter-Hesse-Stiftung finanziell wachsen.

Darum habe ich im Jahr 2008 zunächst unter Einsatz meiner im Hause Schmincke-Künstlerfarben angelegten Mittel das Stiftungskapital von rund einhunderttausend DM auf eine volle Million Euro erhöht. Testamentarisch war dies sowieso vorgesehen. Auch eine Million Euro ist jedoch als finanzielle Basis bei professioneller, fair entlohnter Verwaltung für den Stiftungszweck zu wenig. So lange ich noch arbeiten kann, werde ich die Stiftung selbst weiterführen und mit Carols wertvoller Hilfe auch unser Engagement in Afrika erweitern. Dafür reichen die Erträge der einen Million – hoffentlich auch weiterhin angereichert durch einige treue Freunde und neu hinzu geworbene Spenden. Nach meinem Tode wird die Stiftung testamentarisch weiter wachsen – und wenn mich hoffentlich viel später meine Ehefrau, Isa, in der nächsten Dimension besuchen kommt, soll nochmals etwas hinzukommen. Das ist klar vereinbart. Dann wird die Stiftung eine nachhaltig stabilere Größe haben und ohne den selbst aktiv tätigen Stifter sinnvoll arbeiten können – sofern bis dahin nicht die ganze Menschheit aufgehört hat, zu existieren, sich selbst in kurzsichtiger Ignoranz zerstört oder im Chaos versunken ist.

Damit solche traurigen Endzeit-Szenarien vermieden werden können, ist – über den Kernzweck unseres Engagements für Kinder hinaus – auch gesellschafts- und ordnungspolitisches Engagement notwendig. Natürlich sind neben aufgeweckten Politikern möglichst viele weitsichtige Menschen auch aus der Zivilgesellschaft gefordert. Noch ist das zukunftsorientierte politische Engagement wacher und wertebewusst fähiger Menschen aus der globalen Zivilgesellschaft in ihren Anfängen. Noch zu viele "rettende" Initiativen arbeiten unkoordiniert aneinander vorbei. Aber die neuen Problemlösungen auf der Basis eines globalen bzw. kosmischen Bewusstseins haben eine reale Chance sich durchzusetzen. Darum: Wer wach geworden ist und die materiellen sowie geistigen Möglichkeiten hat, muss sich für das Ganze engagieren. Dabei nutzt Erfahrung in der Politik und im Management. Ich fühle mich jedenfalls zur Mitgestaltung gefordert und sehe darin eine innere Verpflichtung – solange ich kann. Meine Frau und eine treue Langzeit-Freiwillige, Iris Großmann, entlasten mich in der administrativen Stiftungsarbeit. Das gibt etwas Freiraum für globales Engagement.

Eigentlich war – da ich auf Hilfe meiner Halbgeschwister nicht zählen kann – als "Plan B" eine Fusion mit einer schon vorsorglich als Peter-Hesse-Treuhandstiftung im Rahmen des Stiftungsstruktur der Welthungerhilfe gegründeten Mini-Stiftung (mit € 10.000,- Stiftungskapital) geplant. Dies war bereits mit der Düsseldorfer Stiftungsaufsicht und mit der Leitung der Welthungerhilfe geklärt. An Stelle meiner wegen ihrer Interessenskonflikte aus dem Stiftungsvorstand ausgetretenen Halbgeschwister hatte der bisherige Geschäftsführer der Welthungerhilfe, Dr. Hans-Joachim Preuß (der inzwischen in die Geschäftsführung der GTZ, bzw. jetzt GIZ, berufen wurde und uns treu geblieben ist) die Funktion eines stellvertretenden Vorsitzenden der Peter-Hesse-Stiftung übernommen. Frau Dr. Sabine Uhlen, eine langjährige Freundin, hat die zweite frei gewordene Vorstandsposition eingenommen. Als Ärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Sozialmedizin wird sie - gemeinsam mit meiner Frau, Isa Hesse, darauf achten, dass ich die aktive Leitung der Peter-Hesse-Stiftung dem neuen Vorstand übertrage, sobald ich dement zu werden drohe, oder aber, wenn ich die Stiftung aus sonstigen Alters- und Krankheitsgründen nicht mehr sinnvoll führen kann.

Den "Plan B" musste ich nun jedoch auch aufgeben, da es sich nach dem Erdbeben herausstellte, dass die Welthungerhilfe den Neubau eines Montessori-Lehrerinnen Ausbildungszentrum in Liancourt nicht mittragen konnte, wie ich – informell auch von deren neuer Leitung ermutigt – angenommen hatte. Die Formal-Erfordernisse einer großen Organisation wie der Welthungerhilfe sind eben nicht so flexibel wie ich es als dicht an der Haiti-Basis arbeitender Sozial-Unternehmer sein kann. Diese sich in einer Diskussion im Dezember 2010 ergebende Sachlage war für mich frustrierend und musste erst seelisch verdaut werden. Ich schätze auf Grund einer seit 1981 dauernden Freundschaft DENNOCH weiterhin die Welthungerhilfe. Seit einigen Jahren schon dürfen wir ja in Haiti das Büro der Welthungerhilfe für unsere – insbesondere Carols – sporadische Anwesenheit im Land als Basis nutzen. Erst mit vollendetem Neubau des eigenen Ausbildungszentrums CENTRE MONTESSORI D'HAITI der haitianischen NGO, "Fondation-Peter-Hesse" werden wir dort auch ein kleines eigenes Büro haben.

Es musste nun also ein "Plan C" entwickelt werden, um die Weichen für die Zukunft neu zu stellen. Vielleich war auch dabei wieder eine gute Wegweisung aus einer anderen Dimension beteiligt, denn das neu entwickelte Zukunftskonzept ist keine Notlösung sondern könnte sogar Modellcharakter für andere kleinere und mittlere Stiftungen erhalten. "Plan C" – ist ein Kooperationsmodell mit Zusatznutzen für

1.- kostengünstige gute Stiftungsverwaltung, für

2.- eine bestmögliche nachhaltige Erfüllung des Stiftungszwecks und für

3.- die Vermeidung einer zukünftigen Versuchung möglicherweise weniger motivierter Vorstände, die Stiftung als handlungsunfähig darzustellen, um eine Auflösung zu erwirken und das Stiftungskapital dann kurzfristig einsetzen zu können.

Zu 1. – Eine von der geistigen Ausrichtung mit uns vergleichbare Stiftung – bzw. die Gemeinschaft von einer deutschen und einer Schweizer Stiftung – die Düsseldorfer "Schmitz-Stiftungen" kristallisierten sich als bestgeeignete Partner heraus. Der Stiftungsgründer, Herr Werner Peter Schmitz-Hille, hatte eine Stiftungskonstruktion gefunden, die eine kleine solide finanzierte und gut organisierte Verwaltungsorganisation ermöglichte. – Mehr dazu unter "Schmitz-Stiftungen". Hier können wir kostengünstig unseren hoffentlich dauerhaften neuen Stiftungssitz einrichten und auch die Verwaltung der deutschen Stiftungsfinanzen und die Erstellung der Jahresrechnungen sinnvoll zusammen gestalten. Dabei bleibt die Peter-Hesse-Stiftung eine eigenständige rechtsfähige Stiftung unter den wachsamen Augen der Düsseldorfer Stiftungsaufsicht.

Zu 2. – Für eine bestmögliche nachhaltige Erfüllung des Stiftungszwecks ist eine Präzisierung des Stiftungszwecks auf unser real praktiziertes Kernengagement geplant. Dies wird eine Vorstandssitzung und die Genehmigung der Stiftungsbehörde erfordern. Dann ist neben den deutschen Vorständen die Aufnahme von zwei ideal geeigneten neuen Funktionsträgern in den Vorstand vorgesehen und bereits fest vereinbart: Der Präsident und der Executive Director der noch von Dr. Maria Montessori selbst gegründeten und lange von der Familie Montessori geleiteten "Association Montessori Internationale (AMI)" (s. auch hierzu einen eignen Menu-Punkt in dieser Homepage). Derzeit sind dies AMI-Präsident André Roberfroid (früher: UNICEF) und AMI-Director of Training Lynne Lawrence. Mit beiden leitenden AMI-Funktionsträgern bin ich freundschaftlich und im Engagement verbunden. AMI bzw. deren vorwiegend in ärmeren Ländern und für benachteiligte Kinder tätige Unterorganisation, die "Éducateurs sans Frontières (EsF)" – (Lehrer/Erzieher ohne Grenzen) – werden die den Stiftungszweck erfüllenden Mittel so einsetzen, wie es meinem Stifter-Willen und der konkreten Realität von heute entspricht. Das Haiti-Projekt hat dabei Priorität bis das CENTRE MONTESSORI D'HAITI voll auf eigenen Beinen stehen wird. Unsere Montessori-Directrice Carol Guy-James Barratt bleibt in diese neue Struktur eingebunden.

Zu 3. – Möglichst dauerhafte Verwendung der Stiftungserträge ist außerdem weitestgehend dadurch gesichert, dass nach menschlichem Ermessen kein zukünftiges Vorstandsmitglied ein Interesse daran haben kann, eine Auflösung der Stiftung anzustreben. Gemäß der neuen Satzung würde das Stiftungskapital dann an die Gesellschaft zu Rettung Schiffsbrüchiger fallen. Für einen alten Segler und immer noch Bootsfahrer wäre dies zwar keine schlechte Verwendung – aber ganz sicher nicht Sinn und Zweck meiner Stiftungsgründung.
Niemand kann Zukunft planen. DENNOCH muss es sorgfältig versucht werden. Ich glaube, dass "Plan C" gute Aussichten hat, ein langfristiges Engagement für Kinder zu sichern.
Peter Hesse, April 2012

GLOBALES ENGAGEMENT für kindzentrierte Bildung für Alle. – Peter-Hesse-Stiftung in Parnerschaft mit der Associatio Montessori Internationale (AMI) –
2 Seiten PDF

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